Wissen schafft Heilung

   Nuklearmedizin

    Klinikum rechts der Isar
    Ismaninger Straße 22
    81675 München

 

   Sprechzeiten und Kontakt:

    Montag bis Donnerstag:
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    Freitag:
    08:00 - 15:00 Uhr

 

    Anmeldung Schilddrüse:
    +49 (89) 4140 2990

    Anmeldung Szintigraphie:
    +49 (89) 4140 2991

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Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen

Prinzip

Beseitigung einer Hyperthyreose im Rahmen einer funktionell relevanten Autonomie oder bei einer Autoimmunthyreopathie vom Typ Morbus Basedow.

Volumenreduktion bei Struma nodosa bei lokaler Beschwerdesymptomatik

Indikationen

  • Autoimmunthyreopathie vom Typ M. Basedow (Persistenz der Hyperthyreose nach 6 bis 12 Monaten der medikamentösen Therapie bzw. Rezidiv nach konservativer Therapie)
  • Hyperthyreose bei:
    • disseminierter Autonomie
    • uni- bzw. multifokaler Autonomie
    • Strumatherapie (=Volumenreduktion)

Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit

Patientenvorbereitung

  • bei manifester Hyperthyreose: thyreostatische Therapie bis zur Radioiodtherapie und überbrückend bis zum Wirkungseintritt
  • bei Autonomie: endogene bzw. exogene TSH-Suppression
  • bei Strumaverkleinerung ist eine TSH-Suppression nicht notwendig
  • Vermeidung einer hohen Iod-Zufuhr (z.B. iodhaltige Medikamente, Kontrastmittel, starke iodreiche Ernährung)
  • Schwangerschaftstest sowie ggf. Maßnahmen der Familienplanung, um eine Karenzzeit von zumindest 4 Monaten bis zum Eintritt einer Konzeption sicherzustellen
  • Bestimmung des Zielvolumens (heiße/r Knoten, gesamte Schilddrüse durch Sonographie
  • Radioiodtest zur Ermittlung des Radioioduptakes bzw. der Radioiodkinetik
  • Berechnung der Therapieaktivität (Marinelli-Formel)

Aufklärung vor Radioiodtherapie

  • Alternative Therapieformen unter Berücksichtigung von Nutzen und Risiko
  • Nebenwirkungen der RIT
  • Durchführung der RIT unter stationären Strahlenschutzbedingungen
  • Strahlenhygienische Maßnahmen nach der Entlassung
  • Notwendigkeit der Kontrazeption über 4 Monaten für Patientinnen und Patienten
  • Notwendigkeit der Nachsorge
  • Schriftliche Dokumentation der Aufklärung und des Einverständnis

 
Dosiskonzept

  • Bei Autonomie:
    • Unifokale Autonomie: 300 – 400 Gy Herddosis
    • Multifokale und disseminierte Autonomie: 150 Gy
  • Autoimmunhyperhyreose M. Basedow
    • Ablatives Konzept: 250 Gy (lebenslange Substitution mit Levothyroxin erforderlich)
    • Funktionsoptimiertes Konzept:150-200 Gy
  • Strumaverkleinerung: 100-120 Gy

Behandlungsablauf

  • nur stationär aufgrund der Bestimmungen des Strahlenschutzes
  • Absetzen der thyreostatischen Therapie (falls klinisch möglich) 2-3 Tage vor der Radioiodtherapie
  • individuelle Überprüfung der Aktivität vor Applikation
  • Verabreichung der Aktivität in der Regel per os (Kapsel oder flüssig), Nahrungskarenz: mindestens 4 Stunden vor und 1 Stunde nach Applikation
  • tägliche Abschätzung der voraussichtlichen Dosis im Zielvolumen und der Restkörperdosis, aufgrund der täglichen Messungen
  • bei Bedarf: Nachtherapie während des gleichen stationären Aufenthaltes (nach 2-3 Tagen), falls eine relevante Unterschreitung der Dosis im Zielvolumen erkennbar ist
  • Behandlung einer auftretenden Strahlenthyreoiditis (selten) in Reihenfolge: Eiskrawatte, Antiphlogistikum, Glukokortikoide)

Glukokortikoide bei endokriner Orbitopathie und M. Basedow

  1. Vor und während der Glukokortikoidtherapie sind eingehende, ggf. internistische Abklärungen durchzuführen. Absolute und relative Kontraindikationen der Glukokortikoidtherapie sind zu berücksichtigen (z.B. Diabetes mellitus, Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Elektrolytstörungen)
  2. Bei diagnostizierter endokriner Orbitopathie erfolgt eine Glukokortikoidtherapie (pro Tag 0,4 - 0,5 mg Prednisolon / kg Körpergewicht) für 4 - 6 Wochen; Beginn mit Gabe des Radioiods.
  3. Zur Prophylaxe ohne diagnostizierte Orbitopathie (pro Tag 0,2 - 0,25 mg Prednisolon / kg Köpergewicht) für 4 - 6 Wochen; Beginn mit Gabe des Radioiods.
  4. Bei florider endokriner Orbitopathie oder Exazerbation ggf. höhere Dosis oder so genannte Stoßtherapie mit anschließender wöchentlicher Dosisreduktion (z.B. Tagesdosis 1,5 mg Prednisolon / kg Körpergewicht, Reduktion der Tagesdosis wöchentlich um 0,25 mg Prednisolon / kg Körpergewicht).
  5. Bei hoch florider endokriner Orbitopathie ist die Indikation zur Radioiodtherapie besonders streng zu stellen, insbesondere bei Rauchern

Nebenwirkungen

  • Hypothyreose (insbesondere beim ablativen Konzept)
  • Stahlenthyreoiditis (selten)
  • Chronische Entzündung der Speicheldrüsen (sehr selten)
  • Immunthyreopathie nach RIT einer funktioneller Autonomie (Marine-Lenhard-Syndrom) ca. 1 %; nur selten geht die Immunthyreopathie mit einer endokrinen Orbitopathie einher. Erhöhte Inzidenz einer Immunthyreopathie (um 10 %) bei prätherapeutisch erhöhten TPO-Antikörpern.
  • Erstmanifestation oder Progredienz der endokrinen Orbitopathie in 5% (mit Glukokortikoiden) bis 15% (ohne Glukokortikoiden)

Entlassung

Bei einer Dosisleistung von ≤ 3,5 mSv/h in 2 m Abstand (entsprechend 250 MBq I-131 Restaktivität); anzeige- oder genehmigungspflichtige Ausnahmeregelungen sind möglich
Die mittlere Verweildauer der Patienten auf der Station liegt bei 3,2 bis 4,1 Tagen.

Nachsorge

  • Anpassung der medikamentösen Therapie (thyreostatische Therapie, Levothyroxin) nach Kontrolle der Stoffwechsellage (Intervalle 2 - 6 Wochen) bis zum Erfolgseintritt der RIT:
    • Fortführung einer thyreostatischen Therapie über 2 – 3 Monate
    • Ggf. Absetzen einer supprimierenden Therapie mit Levothyroxin.
  • Erfolgskontrolle der RIT nach etwa 3 – 6 Monaten mit Dokumentierung der Wirkung der RIT (Klinik, Schilddrüsen-Labor, Sonographie, Szintigraphie)
  • Weitere Kontrollintervalle: je. 6 Monate, danach jährlich
  • Ggf. Einleitung einer Substitutionstherapie mit Levothyroxin und/oder Iodid

Radiopharmakon / Applikationsform

NaI-131; Kapsel / flüssig; per os oder i.v.

 

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